Angebote sind ueberall — aber welche lohnen sich wirklich?
Jede Woche fluten die Supermaerkte und Elektromaerkte den Markt mit Hunderten von Angeboten. Minus 30 Prozent hier, Sonderpreis dort, Aktionsware ueberall. Fuer den Verbraucher kann das schnell unuebersichtlich werden. Und genau das ist auch gewollt. Haendler wissen, dass das Wort Angebot einen psychologischen Effekt hat: Es signalisiert Knappheit und Dringlichkeit. Man hat das Gefuehl, man muss jetzt zuschlagen, sonst verpasst man etwas. In Wirklichkeit ist aber laengst nicht jedes Angebot ein echtes Schnaeppchen. Manche Preise sind nur minimal gesenkt, andere Produkte waren vorher kuenstlich teuer, damit die Reduktion beeindruckender aussieht. In diesem Ratgeber erklaeren wir, wie Sie die echten von den falschen Angeboten unterscheiden — und wie Sie Ihre Einkaufsentscheidungen auf eine solidere Grundlage stellen.
Der Kilopreis ist Ihr bester Freund
In Deutschland muessen alle Lebensmittelgeschaefte den Grundpreis pro Kilogramm oder pro Liter am Regal ausweisen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben und Ihr wichtigstes Werkzeug beim Preisvergleich. Vergleichen Sie niemals nur den Gesamtpreis auf der Verpackung. Eine 400-Gramm-Dose Tomaten fuer 0,99 Euro klingt guenstig — aber wenn die 800-Gramm-Dose fuer 1,49 Euro daneben steht, ist die groessere Dose pro Kilogramm deutlich billiger. Das gilt besonders bei Angeboten: Manchmal wird ein Produkt in einer kleineren Verpackung als Aktionsware angepriesen, ist aber pro Kilogramm teurer als die Standardgroesse. Der Kilopreis deckt solche Tricks sofort auf. Gewoehnen Sie sich an, bei jedem Produkt zuerst auf den Kilopreis zu schauen. Nach ein paar Wochen machen Sie das automatisch.
Die Sache mit den Streichpreisen
Sie kennen das: Ein grosses rotes Preisschild mit einem durchgestrichenen alten Preis und einem neuen, guenstigeren Preis. Das suggeriert ein Schnaeppchen. Aber wie zuverlaessig ist der durchgestrichene Preis? Ehrlich gesagt: nicht immer besonders. Es gibt Faelle, in denen der alte Preis nur kurzzeitig galt oder in denen das Produkt zu diesem Preis kaum verkauft wurde. Die Lebensmittelklarheit, ein Portal der Verbraucherzentralen, dokumentiert regelmaessig irrefuehrende Preisangaben im Handel. Seit Mai 2022 muessen Haendler bei Preisreduzierungen den niedrigsten Preis der letzten 30 Tage als Referenz angeben. Das ist eine EU-Richtlinie, die sogenannte Omnibus-Richtlinie. Pruefen Sie trotzdem kritisch, ob der Streichpreis realistisch war. Wenn ein Produkt angeblich von 12,99 auf 7,99 Euro reduziert ist, Sie es aber noch nie fuer 12,99 Euro im Regal gesehen haben, ist Skepsis angebracht.
Wochenangebote vs. Dauerniedrigpreise
Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen Wochenangeboten und Dauerniedrigpreisen. Wochenangebote sind zeitlich begrenzte Aktionen, die oft wirklich guenstig sind. Der Haendler kauft groessere Mengen ein und gibt den Rabatt weiter, um Kunden in den Laden zu locken. Dauerniedrigpreise hingegen sind Preise, die der Haendler dauerhaft tiefer ansetzt als die Konkurrenz. Beides kann sich lohnen, aber man sollte den Unterschied kennen. Bei Aldi etwa basiert das Geschaeftsmodell auf Dauerniedrigpreisen: Das Sortiment ist kleiner, die Gewinnmargen sind niedrig, dafuer stimmen die Preise fast immer. Bei Edeka und Rewe ist das Preisniveau im Durchschnitt hoeher, aber die Wochenangebote koennen dafuer richtig attraktiv sein. Der clevere Ansatz: Grundnahrungsmittel beim Discounter kaufen und bei den Vollsortimentern nur zuschlagen, wenn es echte Angebote gibt.
Wie Supermaerkte Sie zum Kaufen verleiten
Es ist kein Geheimnis, dass Supermaerkte professionell gestaltet sind, um den Umsatz zu maximieren. Aber die Details sind faszinierend. Das Obst und Gemuese steht immer am Eingang, weil frische Produkte ein positives Einkaufserlebnis suggerieren und die Kauflaune steigern. Die Grundnahrungsmittel wie Milch, Butter und Brot stehen immer ganz hinten, damit Sie durch den ganzen Laden laufen muessen. Die teureren Produkte stehen auf Augenhoehe, die guenstigen unten oder ganz oben. An den Regalkopfenden, also den Stirnseiten der Regale, stehen sogenannte Zweitplatzierungen — das sind Produkte, die zusaetzlich prasentiert werden und oft wie Angebote aussehen, es aber nicht immer sind. Und die Suessigkeiten an der Kasse sind natuerlich das Paradebeispiel fuer den Impulskauf. Wer diese Mechanismen kennt, faellt seltener darauf herein.
Online-Preisvergleich: Wann es sich lohnt
Bei Lebensmitteln ist der Online-Preisvergleich begrenzt sinnvoll, weil die Preise regional variieren und sich woechentlich aendern. Aber bei groesseren Anschaffungen — Elektronik, Haushaltsgeraete, Werkzeuge — lohnt sich ein kurzer Blick auf Preisvergleichsportale immer. Oft ist der angebliche Aktionspreis im Laden gar nicht so guenstig, wie er aussieht. Ein Fernseher, der bei MediaMarkt fuer 499 Euro als Angebot beworben wird, kostet online vielleicht 469 Euro. Oder er war vor drei Monaten schon mal fuer 459 Euro zu haben. Preisvergleichsseiten zeigen Ihnen die Preisentwicklung ueber die letzten Monate, und das ist Gold wert. Fuer Lebensmittel ist der beste Weg, Prospekte verschiedener Haendler auf CatalogFlix zu vergleichen und dann gezielt bei dem Laden zu kaufen, der die besten Preise fuer Ihre Einkaufsliste hat.
Saisonale Muster erkennen
Angebote folgen klaren saisonalen Mustern, und wenn Sie die kennen, koennen Sie Ihre groesseren Anschaffungen besser timen. Grills und Gartenmoebel sind im Fruehjahr am teuersten und werden ab August guenstiger, weil die Haendler die Restbestaende loswerden wollen. Winterjacken kaufen Sie am besten im Februar oder Maerz, wenn die neue Fruehjahrskollektion kommt. Elektronik ist rund um den Black Friday im November oft am guenstigsten, aber auch im Januar nach Weihnachten gibt es gute Deals. Bei Lebensmitteln sind die Muster anders: Vor Feiertagen wie Ostern und Weihnachten steigen die Preise fuer bestimmte Produkte, weil die Nachfrage hoch ist. Wer antizyklisch kauft — also dann, wenn die meisten anderen nicht kaufen — spart fast immer.
Bonusprogramme und Coupons richtig nutzen
In Deutschland gibt es mehrere grosse Bonusprogramme. Payback ist das bekannteste: Es funktioniert bei Rewe, dm, Aral, Real und vielen Online-Shops. Fuer jeden Euro Umsatz gibt es einen Punkt, und 100 Punkte sind einen Euro wert. Das klingt nach wenig, aber mit den Coupons in der App kann man deutlich mehr rausholen. Wenn Sie beispielsweise 15-fach Punkte auf Waschmittel aktivieren, bekommen Sie fuer eine 5-Euro-Packung bereits 75 Punkte statt 5. Die DeutschlandCard funktioniert aehnlich und laeuft bei Edeka und Netto. Der Schluessel ist, die Coupons vor dem Einkauf zu aktivieren. Viele Leute haben die Karte, vergessen aber die Coupons — und verschenken damit den groessten Teil der moeglichen Ersparnis. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, Bonusprogramme zu nutzen, solange man sein Kaufverhalten nicht aendert, nur um Punkte zu sammeln.
Aktionsware bei Discountern — lohnt sich das?
Aldi, Lidl, Penny und Netto haben neben ihrem festen Sortiment jede Woche wechselnde Aktionsware. Das sind Produkte, die nur fuer kurze Zeit verfuegbar sind — von Kleidung ueber Werkzeuge bis zu Kuechengeraeten. Die Preise sind oft erstaunlich niedrig. Ein Akkuschrauber fuer 29,99 Euro bei Lidl oder ein Saugroboter fuer 99 Euro bei Aldi sind keine Seltenheit. Die Qualitaet ist dabei haeufig ueberraschend gut, auch wenn die Marken unbekannt sind. Trotzdem gilt: Nur kaufen, was Sie wirklich brauchen. Der guenstige Preis ist kein Argument, wenn das Produkt nachher ungenutzt im Schrank steht. Pruefen Sie vor dem Kauf, ob Sie das Produkt wirklich benoetigen und ob der Preis wirklich unter dem Marktdurchschnitt liegt. Bei Werkzeugen und Elektronik lohnt sich ein schneller Vergleich mit Markenware, damit Sie einschaetzen koennen, ob das Discounter-Angebot tatsaechlich ein guter Deal ist.
Fallen, die Sie vermeiden sollten
Zum Abschluss eine Liste der haeufigsten Fallen, in die Verbraucher bei Angeboten tappen. Erstens: die Mehr-fuer-weniger-Illusion. Drei Packungen zum Preis von zwei klingt verlockend, aber brauchen Sie wirklich drei Packungen? Wenn das Produkt verderblich ist und Sie die dritte Packung wegwerfen muessen, haben Sie nichts gespart. Zweitens: die kuenstliche Verknappung. Nur solange der Vorrat reicht erzeugt Druck, schnell zuzugreifen, ohne den Preis zu pruefen. Drittens: der Anker-Effekt. Wenn neben einem teuren Produkt ein guenstigeres steht, wirkt das guenstigere automatisch wie ein Schnaeppchen — selbst wenn es objektiv immer noch teuer ist. Viertens: Gratiszugaben. Ein Gratis-Handtuch zu einem Waschmittel klingt nett, aber der Preis des Waschmittels ist moeglicherweise hoeher als bei der Konkurrenz ohne Handtuch. Wer diese Muster kennt, kauft bewusster und spart am Ende mehr Geld. Und genau darum geht es: nicht weniger kaufen, sondern klüger kaufen.