Der Prospekt — ein deutsches Phaenomen
Deutschland ist Europas Prospekt-Hochburg. Jede Woche landen Millionen von Werbeprospekten in deutschen Briefkaesten. Aldi, Lidl, Rewe, Edeka, MediaMarkt, Hornbach — praktisch jeder grosse Haendler verteilt regelmaessig gedruckte Prospekte. Laut Branchenschaetzungen werden in Deutschland jaehrlich rund 28 Milliarden Prospektseiten gedruckt. Das ist eine gigantische Zahl, und sie zeigt, wie wichtig dieses Medium fuer den Einzelhandel nach wie vor ist. Gleichzeitig sehen wir einen klaren Trend: Immer mehr Menschen wollen die Papierflut nicht mehr und setzen auf digitale Alternativen. Aber ist das wirklich besser? Wir schauen uns beide Seiten an — ehrlich und ohne Schoenrednerei.
Was fuer gedruckte Prospekte spricht
Der groesste Vorteil des gedruckten Prospekts ist seine Praesenz. Er liegt auf dem Kuechentisch, man blaettert nebenbei durch, waehrend man Kaffee trinkt. Es braucht keine App, kein WLAN, keinen Akku. Gerade fuer aeltere Menschen ist das ein wichtiger Punkt. Nicht jeder ist mit dem Smartphone aufgewachsen, und nicht jeder will es fuer jeden Lebensbereich nutzen. Gedruckte Prospekte haben ausserdem den Vorteil, dass man Sachen anstreichen, Ecken knicken und sie an den Kuehlschrank haengen kann. Das klingt altmodisch, ist aber fuer viele Menschen eine gewohnte und effektive Methode, den Einkauf zu planen. Ausserdem blaettert man im Papierprospekt eher zufaellig ueber Angebote, die man online vielleicht gar nicht gesucht haette. Dieses Stoebern kann zu echten Entdeckungen fuehren — oder eben auch zu Impulskaeufen, je nachdem, wie man es sieht.
Was gegen gedruckte Prospekte spricht
Die Nachteile sind offensichtlich, und sie werden immer gewichtiger. An erster Stelle steht die Umweltbelastung. 28 Milliarden Prospektseiten im Jahr bedeuten tausende Tonnen Papier, Druckfarbe, Transportwege und am Ende Altpapier. Selbst wenn das Papier recycelt wird, ist der oekologische Fussabdruck enorm. Die Verbraucherzentrale empfiehlt deshalb seit Jahren, einen Keine-Werbung-Aufkleber auf den Briefkasten zu kleben. Das funktioniert: Laut Umfragen haben bereits rund 25 Prozent der deutschen Haushalte einen solchen Aufkleber. Ein zweites Problem ist die Aktualitaet. Gedruckte Prospekte haben eine feste Laufzeit. Wenn Sie den Prospekt am Mittwoch im Briefkasten finden, das Angebot aber am Montag begonnen hat, haben Sie moeglicherweise schon die Haelfte der Aktionswoche verpasst. Digitale Prospekte sind sofort verfuegbar, oft sogar ein paar Tage bevor die gedruckte Version verteilt wird.
Was fuer digitale Prospekte spricht
Digitale Prospekte haben mehrere handfeste Vorteile. Der offensichtlichste: Sie sind jederzeit und ueberall verfuegbar. Im Bus, auf der Couch, in der Mittagspause — Sie koennen die aktuellen Angebote durchblaettern, wann immer Sie wollen. Auf Plattformen wie CatalogFlix finden Sie Prospekte von dutzenden Haendlern an einem Ort. Das macht den Vergleich deutlich einfacher. Bei Lidl etwa koennen Sie den Prospekt schon am Freitagabend online lesen, waehrend die Papierversion erst am Montag im Briefkasten landet. Ein weiterer Vorteil ist die Suchfunktion. Wenn Sie ein bestimmtes Produkt suchen, koennen Sie digital danach filtern, anstatt Seite fuer Seite zu blaettern. Und natuerlich die Umwelt: Kein Papier, kein Transport, kein Muell. Laut einer Studie des Umweltbundesamtes liesse sich der CO2-Ausstoss des deutschen Einzelhandels erheblich reduzieren, wenn mehr Haendler auf rein digitale Prospekte umstellen wuerden.
Was gegen digitale Prospekte spricht
Fairerweise muss man auch die Nachteile benennen. Nicht jeder hat staendigen Zugang zu schnellem Internet. In laendlichen Regionen Deutschlands gibt es immer noch Funkloecher und langsame Verbindungen. Fuer Menschen ohne Smartphone — das betrifft vor allem aeltere Bevoelkerungsgruppen — fallen digitale Prospekte komplett weg. Ausserdem gibt es ein psychologisches Argument: Der physische Prospekt wird als vertrauenswuerdiger wahrgenommen. Man hat ihn in der Hand, er wirkt greifbarer als ein Bild auf dem Bildschirm. Und schliesslich ist da die Datenfrage. Digitale Prospekt-Apps tracken natuerlich das Nutzerverhalten. Sie wissen, welche Seiten Sie anschauen, wie lange Sie dort verweilen und welche Produkte Sie interessieren. Das ist der Preis fuer die Gratis-Nutzung, und nicht jeder ist bereit, ihn zu zahlen. Bei reinen Prospekte-Webseiten wie CatalogFlix ist der Daten-Fussabdruck allerdings deutlich kleiner als bei den Apps der einzelnen Haendler.
Was die Haendler selbst sagen
Die grossen Ketten reagieren unterschiedlich auf den Wandel. Aldi Sued hat 2023 in einigen Regionen testweise auf gedruckte Prospekte verzichtet und stattdessen auf digitale Kanaele gesetzt. Die Ergebnisse waren gemischt: Juengere Kunden fanden es gut, aeltere beschwerten sich. Rewe und Edeka setzen auf einen Hybrid-Ansatz — sowohl gedruckt als auch digital, wobei die digitalen Versionen mehr Funktionen bieten, etwa interaktive Rezepte und direkte Verlinkungen zum Online-Shop. Lidl hat seine Lidl-Plus-App massiv ausgebaut und bietet dort exklusive Coupons, die es im gedruckten Prospekt nicht gibt. Das zeigt die Richtung: Gedruckte Prospekte verschwinden nicht ueber Nacht, aber die Investitionen fliessen zunehmend in digitale Formate.
Der Umwelt-Faktor im Detail
Lassen Sie uns ueber die Oekobilanz sprechen, denn das ist fuer viele der entscheidende Punkt. Fuer die Herstellung eines durchschnittlichen Wochenbriefkastens voller Prospekte werden etwa 1,5 Kilogramm CO2 freigesetzt — Transport, Druck und Papierherstellung zusammengerechnet. Hochgerechnet auf alle deutschen Haushalte sind das mehrere hunderttausend Tonnen CO2 im Jahr, allein durch Werbeprospekte. Digitale Prospekte verursachen natuerlich auch einen oekologischen Fussabdruck: Server muessen betrieben werden, Smartphones hergestellt und geladen werden. Aber die Bilanz ist trotzdem deutlich besser. Das Bundesministerium fuer Ernaehrung und Landwirtschaft foerdert seit einigen Jahren Initiativen zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung und Ressourcenverbrauch, und die Digitalisierung von Werbeprospekten passt gut in diesen Rahmen.
Fuer wen lohnt sich was?
Die ehrliche Antwort: Es kommt drauf an. Wenn Sie technikaffin sind, ein Smartphone besitzen und gerne Preise vergleichen, sind digitale Prospekte klar die bessere Wahl. Sie sparen Papier, haben alles an einem Ort und koennen die Angebote schon sehen, bevor der Postbote da war. Wenn Sie hingegen wenig mit dem Internet anfangen koennen oder das Blaettern im Papier einfach geniessen, ist nichts falsch daran, weiterhin den gedruckten Prospekt zu nutzen. Das Entscheidende ist, dass Sie die Angebote ueberhaupt nutzen — egal in welchem Format. Wer gar nicht auf Prospekte schaut, zahlt im Zweifel immer den Normalpreis. Und wer die Angebote clever nutzt, spart ueber das Jahr Hunderte Euro. Das Format ist dabei zweitrangig.
Ein Blick in die Zukunft
Die Richtung ist klar: Der Anteil digitaler Prospekte wird weiter wachsen. Immer mehr Haendler bieten ihre Angebote primaer digital an. Gleichzeitig sinkt die Auflage gedruckter Prospekte kontinuierlich. In fuenf bis zehn Jahren werden gedruckte Prospekte wahrscheinlich die Ausnahme sein, nicht die Regel. Schon jetzt merkt man den Wandel: Die Qualitaet der digitalen Angebote wird besser, die Apps der Haendler werden benutzerfreundlicher, und Plattformen wie CatalogFlix buendeln alles an einem Ort. Fuer den Verbraucher ist das am Ende eine gute Nachricht, denn mehr Transparenz und bessere Vergleichbarkeit bedeuten: mehr Sparpotenzial. Und genau darum geht es ja beim Prospekte-Lesen.
Zusammenfassung
Gedruckte Prospekte haben ihre Berechtigung, vor allem fuer Menschen, die wenig digital unterwegs sind. Aber die Vorteile der digitalen Variante ueberwiegen fuer die meisten Haushalte deutlich: schneller verfuegbar, umweltfreundlicher, leichter zu vergleichen und immer dabei. Wenn Sie noch nicht umgestiegen sind, probieren Sie es einfach mal aus. Kleben Sie einen Keine-Werbung-Aufkleber auf den Briefkasten und schauen Sie eine Woche lang die Prospekte online durch. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie danach nicht mehr zurueckwollen. Und wenn doch — kein Problem. Den Aufkleber kann man ja wieder abziehen.